Überschuldete brauchen starke Beratung

Offene Sprechstunde der Schuldnerberatung am 22.06.2017

Dortmund, 14. Juni 2017. In Dortmund stecken rd. 70.000 Menschen in der Schuldenfalle. Das sind ca. 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, Tendenz steigend. Doch nur einem kleinen Teil von ihnen kann in einer anerkannten, gemeinnützigen Beratungsstelle geholfen werden. „Es ist höchste Zeit, das Beratungsangebot bedarfsgerecht auszubauen“, fordert Alexander Elbers von der Schuldnerberatung Dortmund, anlässlich der am Montag beginnenden bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung.

Überschuldung kann jeden treffen. Hauptursachen sind Arbeitslosigkeit, Niedrigeinkommen, Erkrankung und Scheidung. „Weil das Geld oft nicht mehr für die in den letzten Jahren exorbitant gestiegenen Wohnkosten reicht, drohen Stromsperren und Obdachlosigkeit. Erwerbstätige können wegen der Überschuldung ihre Arbeit verlieren, Arbeitslose keine neue Stelle finden. In Familien leiden die Kinder unter der Armutslage ihrer überschuldeten Eltern“, erläutert Gabriele Guth, Schuldnerberaterin bei der Schuldnerberatung Dortmund: „Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, muß die Schuldnerberatung für alle Überschuldeten zugänglich sein. Überschuldete brauchen einen offenen Zugang zu einer qualifizierten Beratung und Begleitung.“

Ihre Kollegin Inge Vallina weist darauf hin, dass sich Schuldnerberatung auch rechnet: „Ein Euro für die Schuldnerberatung ergibt nach vorsichtiger Schätzung mindestens zwei Euro eingesparte öffentliche Leistungen und Folgekosten.“ Zu erklären ist dies mit der präventiven Wirkung der Schuldnerberatung. Sie stabilisiert die gesundheitlichen, persönlichen und familiären Lebensumstände. Die Schuldner finden leichter einen Arbeitsplatz und motivierter einen Arbeitsplatz, für die öffentliche Hand fallen weniger Kosten an und die Gläubiger werden miteinbezogen und können befriedigt werden. Dies führt zu geringeren Krankheitskosten, Vermeidung von Hartz IV und Sozialhilfe bis hin zu Einsparungen bei Jugendhilfeleistungen.

Die Schuldnerberatung Dortmund bietet deshalb in der Aktionswoche eine offene Sprechstunde für alle Ratsuchenden an. Sie findet statt am 22.06.2017 in der Zeit von 14:30 bis 17:30 Uhr in der Beratungsstelle am Ostenhellweg 42 – 48 (Eingang Moritzgasse).

Ergänzende Informationen

Schuldnerberatung Dortmund und Grünbau gGmbH
Die Schuldnerberatung Dortmund ist ein Projekt der Grünbau g GmbH Dortmund. Als anerkannte Verbraucherinsolvenzberatungsstelle erfüllt sie bestimmte rechtlich definierte personelle und inhaltliche Standards und darf daher besondere Aufgaben wahrnehmen (u.a.: Bescheinigung für das Verbraucherinsolvenzverfahren, Bescheinigung eines erhöhten Pfändungsfreibetrages für das Pfändungsschutzkonto). In diesem Rahmen ist sie zu Rechtsberatung und Rechtsvertretung befugt.

Die Aktionswoche der Schuldnerberatung: 19. bis 23. Juni 2017
Die Aktionswoche der Schuldnerberatung wird bundesweit jährlich von den in der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) zusammengeschlossenen Wohlfahrts- und Fachverbänden veranstaltet. Die diesjährige Aktionswoche steht unter dem Motto: „Überschuldete brauchen starke Beratung“. Folgende Forderungen nach einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine gute Schuldnerberatung stehen 2017 im Mittelpunkt:

• Schaffung eines gesetzlichen Anspruchs auf Schuldnerberatung
Aktuell gibt es kein allgemeines Recht auf Schuldnerberatung unabhängig vom Einkommen und der beruflichen Situation. Das führt mancherorts zum Ausschluss bestimmter Personengruppen, z.B. der Erwerbstätigen.

• Ausbau der Schuldnerberatung durch bedarfsgerechte Finanzierung
Soziale Schuldnerberatung ist ein ganzheitliches und auf nachhaltige Stabilisierung ausgerichtetes individuelles Beratungsangebot. Angesichts der hohen Überschuldungsquote und der immer komplexeren Problemlagen sind eine Aufstockung von Fachkräften und die Verbesserung der finanziellen Ausstattung von Schuldnerberatungsstellen nötig.

• Verbesserungen beim Pfändungsschutzkonto
Eine Evaluation, die im Auftrag der Bundesregierung erhoben wurde, hat erhebliche Mängel bei dem für die Schutzfunktion wichtigen Pfändungsschutzkonto festgestellt. Diese Mängel müssen dringend durch eine Gesetzesänderung behoben werden.

• Existenzsicherung durch bedarfsdeckende Grundsicherungsleistungen
Die Leistungen nach SGB II („Hartz IV“) und SGB XII (Sozialhilfe) sind bei weitem nicht bedarfsdeckend. Daher sind die Betroffenen zunehmend auf Darlehen der Jobcenter angewiesen. Zur Existenzsicherung und zur Schuldenprävention sind daher Einmalleistungen für größere Anschaffungen oder Reparaturen einzuführen, der Anteil für Energiekosten in den Regelleistungen zu erhöhen und eine realistisch bemessene Kindergrundsicherung zur Vermeidung von Kinderarmut zu entwickeln.

• Regelversorgung auch bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung
Beitragsschulden in der Krankenversicherung führen zu einer Einschränkung der medizinischen Leistungen mit unabsehbaren Folgen. Sowohl für die gesetzliche wie auch für die private Krankenversicherung muss dieses Problem durch Gesetz geändert werden.

• Bezahlbare Krankenversicherung für Selbstständige mit Niedrigeinkommen
Die starre Bemessung der Beiträge auf ein Durchschnittseinkommen führt zu pauschal hohen Beiträgen, die Kleinselbständige finanziell überfordern und Start Ups scheitern lassen können.

www.aktionswoche-schuldnerberatung.de

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